Sie sind mitten im Studium? Dann sind Sie durchschnittlich Anfang oder Mitte 20 und haben das ganze Leben vor sich. Sie sind mit E-Mails, WhatsApp, Chats und Social Media aufgewachsen, Sie zählen heute zu den sogenannten "Digital Natives". Sie nutzen die digitalen Möglichkeiten als Fenster in die globale Welt, als hilfreiches Werkzeug für den Alltag, als effektive und günstige Form, mit anderen Mitmenschen in Kontakt zu treten und informationstechnisch immer auf dem Laufenden zu sein. Sie wissen dabei aus der Presse schon seit langem, dass diese digitalen Prothesen auch problematisch sein können: von Datenskandalen, Passwortklau, Virenattacken, Kredikartenbetrug und vielem anderen lesen Sie immer wieder in den Nachrichten.

Aber haben diese Informationen Ihren Umgang mit den digitalen Medien beeinflusst? Schützen Sie Ihre E-Mails oder WhatsApp-Nachrichten vor den Augen unerwünschter Dritter? Wahrscheinlich eher nicht. Dann gehören Sie zur großen Mehrheit, die Datenschutz mehr als akademisches Thema oder administrative Aufgabe (von Behörden) betrachten. Aber bedenken Sie einmal fünf Minuten nur folgende drei Beispielszenarien:

  • Sie haben eine Klausur zurückbekommen und der Dozent war Ihrer Meinung nach einfach unfair. Sie machen sich Luft und schreiben Ihrem besten Freund: "Was ein Nazi!"
  • Sie waren auf der letzten Uniparty und es war richtig lustig. Da macht man schon mal Scherze und meldet an die daheimgebliebenen Kumpel ein paar nette Selfies vom hochprozentigen Abend.
  • Sie sind jung, aber fühlen sich unter dem Druck von Leistungserwartungen, Prüfungen, Konkurrenz und unsicherer Jobperspektive häufig nicht sehr wohl. Manchmal schreiben Sie Ihren Eltern, Freunden oder Ihrem Arzt, dass Sie müde und schlapp sind, und Sie erhalten Tipps für einen Besuch beim Psychotherapeuten.

Was passierte, wenn diese Nachrichten andere lesen als jene, für die sie eigentlich bestimmt waren? Was, wenn einmal alles oder auch nur Teile Ihrer E-Mails unkontrolliert und frei zugänglich im weltweiten Netz auftauchten?

  • Arbeitgeber suchen systematisch nach Informationen über ihre BewerberInnen im Internet (so eine Studie von BitKom). Was halten Personalmanager wohl von einem Kandidaten, der ''sich nicht kontrollieren kann'' oder ''nicht belastbar ist''? - Sicherlich, die Party war vor 10 Jahren und gesundheitlich sind Sie seit Ihrem Studienabschluss auf Hochniveau; aber woher sollen das googelnde Arbeitgeber wissen? Informationen im Netz haben altern nicht mit; sie zeigen keinen Reifeprozess; sie verschweigen den Wandel von Physis und Psyche.
  • Ihrem Dozent wird Ihre Nachricht ("Was ein Nazi!") als Netzfund zugespielt. Leider ist dieser Dozent auch Ihr Prüfer. Er wird Sie vielleicht nicht anzeigen, aber kein Examen wird er so genau korrigieren wie das Ihre. Und wenn Sie besonders Pech haben, kommen Sie auf eine schwarze Liste und finden in Ihrem Fachbereich niemals eine lukrative Stelle.
  • Sie haben nicht nur Freunde, die sensibel mit Ihren depressiven Schüben umgehen. Es gibt - nicht nur in der Netzgemeinde, sondern vielleicht auch in Ihrer Nachbarschaft - Leute, die Ihnen gerne einmal etwas auswischen möchten. Mobbing oder Cyber-Mobbing nutzen fast immer Wissen über (vermeintliche) Schwächen ihrer Opfer aus. Aber vielleicht haben Sie Glück. Hoffentlich haben auch Ihre Kinder noch 15 Jahre später dieses Glück, wenn etwa deren Schulkameraden auf die Informationen der Eltern im Netz stoßen.

Diese Szenarien ließen sich beliebig fortsetzen. Es sind reale Variationen eines Themas: - Natürlich würden Sie niemanden als "Nazi" beschimpfen; - und haben auch noch nie abfällig über eine andere Person geschrieben? Sie haben haben noch nie ein Foto von Ihrer letzten Party und dortigen Verfassung verschickt; - und noch kein Foto von anderen zugeschickt bekommen ("Hey, geiler Abend! Du siehst nur voll verplant aus!")? Sie sind auch nicht depressiv; - aber was haben Sie nicht schon an höchpersönlichen Informationen über sich an andere gesendet?

Machen Sie sich nichts vor: natürlich haben Sie längst Dinge dem unsichtbaren WWW anvertraut, von denen Sie klammheimlich nur hoffen, dass sie niemals in falsche Finger geraten. Wollen Sie wirklich warten, bis diese naive Hoffnung (erwartbar) enttäuscht wird und möglicherweise Ihr ganzes zukünftiges Leben (und ggf. auch das Leben Ihrer Kinder) negativ bestimmt?

Warten Sie nicht, sondern verpassen Sie Ihren gewohnten Kommunikationsgewohnheiten ein Sicherheitsupdate: ergreifen Sie einfache und effektive Maßnahmen, Ihre Nachrichten vor fremden Blicken zu schützen und halten Sie auch Ihre KommilitonInnen zu einem sensiblen Umgang mit I/ihren Daten an.